Besonderheiten Handwerkertätigkeiten auf Baustellen

Die nachfolgende Darstellung enthält einige ausgewählte Besonderheiten, die im Rahmen der Buchhaltung zu berücksichtigen sind. Daneben sollen die Ausführungen für mögliche Fallstricke sensibilisieren. Da die nachfolgenden Ausführungen einen ersten Überblick vermitteln sollen, bedarf jeder einzelner Sachverhalt einer eigenen umfassenden rechtlichen Bewertung. Aus Verständnisgründen für den Nichtjuristen oder Steuerunkundigen wird hier versucht, die wesentlichen Aussagen in einer „einfachen“ Sprache widerzugeben.

Sollte eins der nachfolgenden Fälle oder ein vergleichbarer Sachverhalt Ihrem Geschäftsbetrieb vorkommen, empfehlen wir Ihnen dringendst, sich mit Ihrem Steuerberater/Buchhalter auszutauschen. Nur so können alle Besonderheiten Ihres Geschäftsbetriebes richtig berücksichtigt werden. Nur eine einwandfreie Buchhaltung kann Sie vor finanziellen Nachteilen bewahren.

 

  1. Die Umsatzsteuerschuldnerschaft

Wer schuldet eigentlich die Umsatzsteuer?

Grundsatz: Die Umsatzsteuer schuldet der Auftraggeber, zahlt sie jedoch mit dem   Bruttobetrag an den Auftragnehmer. Anschließend  führt der Auftragnehmer die geschuldete Steuer an das Finanzam ab.

Beispiel: Der ausführende Unternehmer, der eine Lieferung erbringt (Buchhändler verkauft ein Buch an den Käufer), stellt eine „normale „Rechnung (Nettobetrag zzgl. Umsatzsteuer) aus.  Der Käufer muss lediglich den Bruttobetrag an den Verkäufer zahlen. Ihn treffen normalerweise keine besonderen Pflichten.
Der Verkäufer (leistende Unternehmer)  muss  nunmehr die erhaltene  Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen.

 

Gibt es Ausnahmen?

Anders ist es z.B. bei bestimmten Leistungen eines Handwerkers, bei denen abweichend vom Regelfall, der Auftraggeber die entstandene Umsatzsteuer anzumelden und an das Finanzamt abzuführen hat (sog. Reverse-Charge-Verfahren). Der Auftraggeber zahlt den geschuldeten Nettobetrag an den Auftragnehmer (ausführenden Handwerker) und führt die gechuldete Umsatszsteuer an die Finanzverwlatung.

Diese so genannte Fälle der Umkehr der Steuerschuldnerschaft sind in § 13b Umsatzsteuergesetz geregelt.

Hier sind von besonderer Bedeutung:

  1. Leistungen eines im übrigen Gemeinschaftsgebiet ansässigen Unternehmers, § 13b (1) Umsatzsteuergesetz.

Beispiel:             Ein polnischer Unternehmer führt in Deutschland Arbeiten auf einer                                   Baustelle aus.

  1. Werklieferungen, § 13 (2) Nr. 1 Umsatzsteuergesetz (UStG).
  2. Nicht unter Absatz 1 fallende sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers, § 13b (2) Nr. 1 2. Fall UStG.
  3. Werklieferungen und sonstige Leistungen, die der Herstellung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen, § 13b (2) Nr. 4 UStG.

In diesen Fällen schuldet der Leistungsempfänger (derjenige, der die Leistung bestellt hat) die Umsatzsteuer, wenn er ein Unternehmer oder eine juristische Person ist.

In den in Absatz 2 Nummer 4 Satz 1 genannten Fällen schuldet der Leistungsempfänger die Steuer unabhängig davon, ob er sie für eine von ihm erbrachte Leistung im Sinne des Absatzes 2 Nummer 4 Satz 1 verwendet, wenn er ein Unternehmer ist, der nachhaltig entsprechende Leistungen erbringt; davon ist auszugehen, wenn ihm das zuständige Finanzamt eine im Zeitpunkt der Ausführung des Umsatzes gültige auf längstens drei Jahre befristete Bescheinigung darüber erteilt hat, dass er ein Unternehmer ist, der entsprechende Leistungen erbringt.

Die Sätze 1 bis 5 gelten vorbehaltlich des Satzes 10 auch, wenn die Leistung für den nichtunternehmerischen Bereich bezogen wird.

Beispiel: Handwerker (A) lässt in sein privates Ferienhaus auf Sylt einen Kamin von einem französischen Handwerker (B) errichten.

In diesem Fall erbringt B eine Leistung für den privaten Bereich des Unternehmers A. Hier hat A die Umsatzsteuer anzumelden und an das Finanzamt abzuführen. Wäre A kein Unternehmer im Sinne der Vorschrift, wäre die Kaminerrichtung so zu behandeln wie an einen „normalen“ Auftraggeber für den nichtunternehmerischen Bereich. B hätte die Umsatzsteuer anzumelden und zu entrichten (Normalfall).

Sollte der ausführende Handwerker ein Kleinunternehmer sein, würde für seine erbrachte Leistung keine Umsatzsteuer anfallen. Damit wäre auch keine Umsatzsteuer anzumelden und abzuführen.

 

2.) „Steuerabzug bei Bauleistungen“

Besondere Beachtung ist den Fällen der Subunternehmerschaft bzw. den Fällen der Bauabzugssteuer zu schenken.

Was ist die Bauabzugssteuer?

Gelegentlich erhalten Unternehmen (Handwerker) von anderen Handwerkern einen Auftrag, zum Beispiel auf einer Baustelle Arbeiten zu verrichten. Der ausführende Handwerker (Subunternehmer) verrichtet die Arbeiten und stellt hier rüber seinem Auftraggeber eine Rechnung aus.

Beispiel: H beauftragt den Handwerker T, einen Anbau an einem Gebäude zu errichten. Im Rahmen dieses Anbaus beauftragt T den S (Subunternehmer), eine Isolierung anzubringen.  S stellt nach Fertigstellung der Arbeiten dem T eine Rechnung über 8.000,00 € + 1.520,00 € USt = 9.520,00 € aus.

Hier hat der Auftraggeber nur einen Teil des Bruttobetrages (85% = 8.092,00 €) an den Subunternehmer auszuzahlen. Den Differenzbetrag (15% = 1.428,00 €) hat der Auftraggeber (T) an das Finanzamt des Auftragnehmners (S) fristgerecht  anzumelden und abzuführen. Hierbei handelt es sich um die so genannten Bauabzugssteuer.

Mittels dieser vorzunehmenden Teilzahlung soll der illegalen Beschäftigung entgegen gewirkt werden. Es soll vermieden werden, dass der Auftragnehmer S mit dem erhaltenen Entgelt untertaucht und sich seiner Einkokmmenssteuerpflicht entzieht.

Diese abgeführte Teilzahlung an das Finanzamt wird auf die später vom leistenden Unternehmer (Auftragnehmer S) zu entrichtende Steuern angerechnet. Auf einen späteren Antrag, kann eine Erstattung der Zuvielzahlung erfolgen.

Kann man etwas gegen die Pflicht zur Abführung der Bauabzugssteuer unternehmen?

Will der Subunternehmer den vollen Betrag von seinem Auftraggeber ausgezahlt bekommen, bestehen zwei Möglichkeiten.

Erwirtschaftet der Auftraggeber steuerfreie Umsätze im Sinne des § 4 Nr. 12 S. 1 UStG ( hauptsächlich Umsätze aus der Zurverfügungstellung von Immobilien, -Teilen), kann vom 15%igen Abzug abgesehen werden, wenn die Gegenleistung (Entgelt des Auftraggebers an den Auftragnehmer) im Kalenderjahr nicht mehr als 15.000,00 € beträgt.
Bei den sonstigen Auftraggebern liegt die Grenze bei 5.000,00 € im Kalenderjahr.

Sind diese Grenzen überschritten und ist eine Bauabzugssteuer abzuführen, kann der Auftragnehmer (Subunternehmer) eine sogenannte Freistellungsbescheinigung des zuständigen Finanzamtes dem Auftraggeber vorlegen. In dem Fall ist keine Kürzung des Bruttobetrages durch den Auftraggeber vorzunehmen.

Eine Freistellungsbescheinigung wird auf Antrag ausgestellt. Voraussetzung ist unter anderem, dass  der zu sichernde Steueranspruch nicht als gefährdet erscheint und ein inländischer Empfangsbevollmächtigter bestellt ist, § 48b (1) Einkommensteuergesetz.

 

  1. Unternehmer aus dem EU-Ausland

Wird ein im Gemeinschaftsgebiet ansässiger Unternehmer in Deutschland tätig, ist darauf zu achten, dass die von ihm ausgestellte Rechnung den polnischen Rechtsvorschriften entsprechen.

Ob ein Unternehmer im Gemeinschaftsgebiet ansässig ist, kann anhand unterschiedlicher Anhaltspunkte ermittelt werden. Hier kann zum Beispiel auf ein entsprechendes  Doppelbesteuerungsabkommen zurückgegriffen werden. In der Praxis spielt oftmals der Ort der Betriebsstätte eine wichtige Rolle. Das ist regelmäßig der Ort an dem die Geschäftsführung ihren Sitz hat. Besondere Rolle kann vereinzelt der gesetzlich angeordnete Betriebsortwechsel spielen. Das kann zum Beispiel in Montagefällen von Bedeutung sein. Ist ein Unternehmer  länger als 12 Monate auf Montage in Deutschland, ist von einem Wechsel der Geschäftsleitung auszugehen. In diesem Fall ist das Unternehmen, als ein deutsches Unternehmen zu behandeln. Das Unternehmen hat in dem Fall sowohl Rechnungen nach den deutschen Rechtsvorschriften auszustellen als auch als deutsches Unternehmen sämtlichen deutschen Steuerpflichten nachzukommen. Es hat alle entsprechenden Steuererklärungen in Deutschland abzugeben. Die Buchhaltung hat sich auch an den deutschen  Rechtsvorschriften zu richten.

 

Buchhaltung und Handwerkertätigkeiten auf Baustellen