{"id":7591,"date":"2022-08-13T13:14:52","date_gmt":"2022-08-13T13:14:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.johanna-swist.de\/wpjs\/?p=7591"},"modified":"2022-08-13T13:29:14","modified_gmt":"2022-08-13T13:29:14","slug":"kopftuchurteil-kopftuch-im-bewerbungsgespraech","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.johanna-swist.de\/wpjs\/de\/kopftuchurteil-kopftuch-im-bewerbungsgespraech\/","title":{"rendered":"Kopftuchurteil &#8211; Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #1414ff;\">Bekenntnis zum Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch<\/span><\/h1>\n<h3 style=\"text-align: right;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong><button id=\"bb1\" type=\"button\" value=\"Play\" class=\"responsivevoice-button\" title=\"ResponsiveVoice Tap to Start\/Stop Speech\"><span>&#128266; Text anh\u00f6ren<\/span><\/button>\n        <script>\n            bb1.onclick = function(){\n                if(responsiveVoice.isPlaying()){\n                    responsiveVoice.cancel();\n                }else{\n                    responsiveVoice.speak(\"Die Religionsfreiheit genie\u00dft einen hohen rechtlichen Schutz. Dabei genie\u00dfen diesen Schutz nicht nur alteingesessene Religionen, sondern auch solche, die von Zuwanderern im letzten Jahrhundert eingef\u00fchrt worden sind. Ganz besonders hoch ist der Schutz der Religionsfreiheit im Bereich des Arbeitsrechts. Bereits im Bewerbungsverfahren kann die Religionsfreiheit eines Bewerbers tangiert werden. Mit der Problematik \\\"Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch\\\" hat sich zuletzt das Bundesarbeitsgericht in seiner Entscheidung vom 27.08.2020, Aktenzeichen: 8 AZR 62\/19 besch\u00e4ftigt. Sachverhalt: \\\"Ich werde mein Kopftuch als Lehrerin im Unterricht tragen!\\\" Die Kl\u00e4gerin ist Diplom-Informatikerin; sie bezeichnet sich als gl\u00e4ubige Muslima und tr\u00e4gt als Ausdruck ihrer Glaubens\u00fcberzeugung ein Kopftuch. Die Kl\u00e4gerin bewarb sich beim beklagten Land im Rahmen eines Quereinstiegs mit berufsbegleitendem Referendariat f\u00fcr eine Besch\u00e4ftigung als Lehrerin in den F\u00e4chern Informatik und Mathematik. Das beklagte Land lud sie zu einem Bewerbungsgespr\u00e4ch ein. Im Anschluss an dieses Gespr\u00e4ch, bei dem die Kl\u00e4gerin ein Kopftuch trug, sprach sie ein Mitarbeiter der Zentralen Bewerbungsstelle auf die Rechtslage nach dem sog. Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz an. Die Kl\u00e4gerin erkl\u00e4rte daraufhin, sie werde das Kopftuch auch im Unterricht nicht ablegen. Nachdem ihre Bewerbung erfolglos geblieben war, nahm die Kl\u00e4gerin das beklagte Land auf Zahlung einer Entsch\u00e4digung nach dem AGG in Anspruch. Sie hat die Auffassung vertreten, das beklagte Land habe sie entgegen den Vorgaben des AGG wegen ihrer Religion benachteiligt. Zur Rechtfertigung dieser Benachteiligung k\u00f6nne das beklagte Land sich nicht mit Erfolg auf \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz berufen. Das darin geregelte pauschale Verbot, innerhalb des Dienstes ein muslimisches Kopftuch zu tragen, versto\u00dfe gegen die durch Art. 4 GG gesch\u00fctzte Glaubensfreiheit. Glaubensfreiheit nach Art. 4 Grundgesetz! Das beklagte Land hat demgegen\u00fcber eingewandt, das Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz sei verfassungsgem\u00e4\u00df und auch unionsrechtskonform. Die darin geregelte Verpflichtung der Lehrkr\u00e4fte, im Dienst u.a. keine auffallenden religi\u00f6s gepr\u00e4gten Kleidungsst\u00fccke zu tragen, stelle eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung i.S.v. \u00a7 8 Abs. 1 AGG bzw. der unionsrechtlichen Vorgaben dar. Angesichts der Vielzahl von Nationalit\u00e4ten und Religionen, die in der Stadt vertreten seien, sei eine strikte Neutralit\u00e4t im Unterricht aus pr\u00e4ventiven Gr\u00fcnden erforderlich; des Nachweises einer konkreten Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden oder die staatliche Neutralit\u00e4t bed\u00fcrfe es nicht. Neutralit\u00e4tsgesetz! Entscheidung: Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch\u00a0 Die Kl\u00e4gerin kann von dem beklagten Land nach \u00a7 15 Abs. 2 AGG wegen eines Versto\u00dfes gegen das Benachteiligungsverbot des AGG die Zahlung einer Entsch\u00e4digung i. H. v. 5.159,88 Euro verlangen. Die Kl\u00e4gerin hat als erfolglose Bewerberin eine unmittelbare Benachteiligung i. S. v. \u00a7 3 Abs. 1 AGG erfahren. Art. 3 Abs. 1 AGG Der Umstand, dass ein Mitarbeiter der Zentralen Bewerbungsstelle die Kl\u00e4gerin im Anschluss an das Bewerbungsgespr\u00e4ch auf die Rechtslage nach dem sog. Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz angesprochen und die Kl\u00e4gerin daraufhin erkl\u00e4rt hat, sie werde das Kopftuch auch im Unterricht nicht ablegen, begr\u00fcndet die Vermutung, dass die Kl\u00e4gerin wegen der Religion benachteiligt wurde. Widerlegbare Vermutung Diese Vermutung hat das beklagte Land nicht widerlegt. Die Benachteiligung der Kl\u00e4gerin ist nicht nach \u00a7 8 Abs. 1 AGG gerechtfertigt. Das beklagte Land kann sich insoweit nicht mit Erfolg auf die in \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz getroffene Regelung berufen, wonach es Lehrkr\u00e4ften u.a. untersagt ist, innerhalb des Dienstes auffallende religi\u00f6s oder weltanschaulich gepr\u00e4gte Kleidungsst\u00fccke und damit auch ein sog. islamisches Kopftuch zu tragen. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, an die der Senat nach \u00a7 31 Abs. 1 BVerfGG gebunden ist, f\u00fchrt eine Regelung, die \u2013 wie \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz \u2013 das Tragen eines sog. islamischen Kopftuchs durch eine Lehrkraft im Dienst ohne Weiteres, d.h. schon wegen der blo\u00df abstrakten Eignung zur Begr\u00fcndung einer Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden oder die staatliche Neutralit\u00e4t in einer \u00f6ffentlichen bekenntnisoffenen Gemeinschaftsschule verbietet, zu einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Eingriff in die Religionsfreiheit nach Art. 4 GG, sofern das Tragen des Kopftuchs \u2013 wie hier im Fall der Kl\u00e4gerin \u2013 nachvollziehbar auf ein als verpflichtend verstandenes religi\u00f6ses Gebot zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz ist in diesen F\u00e4llen daher verfassungskonform dahin auszulegen, dass das Verbot des Tragens eines sog. islamischen Kopftuchs nur im Fall einer konkreten Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden oder die staatliche Neutralit\u00e4t gilt. Eine solche konkrete Gefahr f\u00fcr diese Schutzg\u00fcter hat das beklagte Land indes nicht dargetan. Aus den Vorgaben von Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 2000\/78\/EG, die der nationale Gesetzgeber mit \u00a7 8 Abs. 1 AGG in das nationale Recht umgesetzt hat, und aus den in Art. 10 und Art. 24 der Charta der Grundrechte der Europ\u00e4ischen Union getroffenen Regelungen ergibt sich f\u00fcr das vorliegende Verfahren nichts Abweichendes. Konkrete Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden! Den Bestimmungen in \u00a7\u00a7 2 bis 4 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz fehlt es bereits an der unionsrechtlich erforderlichen Koh\u00e4renz. Mit den Ausnahmeregelungen in den \u00a7\u00a7 3 und 4 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz stellt der Berliner Gesetzgeber sein dem \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz zugrundeliegendes Regelungskonzept selbst in Frage. Die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts \u00fcber die H\u00f6he der der Kl\u00e4gerin zustehenden Entsch\u00e4digung hielt im Ergebnis einer revisionsrechtlichen Kontrolle stand. Kanzlei\u00a0Swist - Rechtsanwalt Arbeitsrecht D\u00fcsseldorf Ihr Recht in unseren treuen H\u00e4nden\", \"Deutsch Female\");\n                }\n            };\n        <\/script>\n    <\/strong><\/span><\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Religionsfreiheit genie\u00dft einen hohen rechtlichen Schutz. Dabei genie\u00dfen diesen Schutz nicht nur alteingesessene Religionen, sondern auch solche, die von Zuwanderern im letzten Jahrhundert eingef\u00fchrt worden sind.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ganz besonders hoch ist der Schutz der Religionsfreiheit im Bereich des Arbeitsrechts. Bereits im Bewerbungsverfahren kann die Religionsfreiheit eines Bewerbers tangiert werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Mit der Problematik &#8222;Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch&#8220; hat sich zuletzt das Bundesarbeitsgericht in seiner <span style=\"color: #487693;\"><strong><a style=\"color: #487693;\" href=\"https:\/\/www.bundesarbeitsgericht.de\/entscheidung\/8-azr-62-19\/\">Entscheidung vom 27.08.2020, Aktenzeichen: 8 AZR 62\/19<\/a><\/strong><\/span> besch\u00e4ftigt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #1414ff;\">Sachverhalt: &#8222;Ich werde mein Kopftuch als Lehrerin im Unterricht tragen!&#8220;<\/span><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Kl\u00e4gerin ist Diplom-Informatikerin; sie bezeichnet sich als gl\u00e4ubige Muslima und tr\u00e4gt als Ausdruck ihrer Glaubens\u00fcberzeugung ein Kopftuch.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Kl\u00e4gerin bewarb sich beim beklagten Land im Rahmen eines Quereinstiegs mit berufsbegleitendem Referendariat f\u00fcr eine Besch\u00e4ftigung als Lehrerin in den F\u00e4chern Informatik und Mathematik.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das beklagte Land lud sie zu einem Bewerbungsgespr\u00e4ch ein. Im Anschluss an dieses Gespr\u00e4ch, bei dem die Kl\u00e4gerin ein Kopftuch trug, sprach sie ein Mitarbeiter der Zentralen Bewerbungsstelle auf die Rechtslage nach dem sog. Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz an.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Kl\u00e4gerin erkl\u00e4rte daraufhin, sie werde das Kopftuch auch im Unterricht nicht ablegen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nachdem ihre Bewerbung erfolglos geblieben war, nahm die Kl\u00e4gerin das beklagte Land auf Zahlung einer Entsch\u00e4digung nach dem AGG in Anspruch.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Sie hat die Auffassung vertreten, das beklagte Land habe sie entgegen den Vorgaben des AGG wegen ihrer Religion benachteiligt. Zur Rechtfertigung dieser Benachteiligung k\u00f6nne das beklagte Land sich nicht mit Erfolg auf \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz berufen. Das darin geregelte pauschale Verbot, innerhalb des Dienstes ein muslimisches Kopftuch zu tragen, versto\u00dfe gegen die durch Art. 4 GG gesch\u00fctzte Glaubensfreiheit.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_4.html\"><span style=\"color: #487693;\">Glaubensfreiheit nach Art. 4 Grundgesetz!<\/span><\/a><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Das beklagte Land hat demgegen\u00fcber eingewandt, das Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz sei verfassungsgem\u00e4\u00df und auch unionsrechtskonform. Die darin geregelte Verpflichtung der Lehrkr\u00e4fte, im Dienst u.a. keine auffallenden religi\u00f6s gepr\u00e4gten Kleidungsst\u00fccke zu tragen, stelle eine wesentliche und entscheidende berufliche Anforderung i.S.v. \u00a7 8 Abs. 1 AGG bzw. der unionsrechtlichen Vorgaben dar. Angesichts der Vielzahl von Nationalit\u00e4ten und Religionen, die in der Stadt vertreten seien, sei eine strikte Neutralit\u00e4t im Unterricht aus pr\u00e4ventiven Gr\u00fcnden erforderlich; des Nachweises einer konkreten Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden oder die staatliche Neutralit\u00e4t bed\u00fcrfe es nicht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/jlr-VerfArt29GBE2005pP2\"><span style=\"color: #487693;\">Neutralit\u00e4tsgesetz!<\/span><\/a><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #1414ff;\">Entscheidung: Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch\u00a0<\/span><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Kl\u00e4gerin kann von dem beklagten Land nach \u00a7 15 Abs. 2 AGG wegen eines Versto\u00dfes gegen das Benachteiligungsverbot des AGG die Zahlung einer Entsch\u00e4digung i. H. v. 5.159,88 Euro verlangen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Kl\u00e4gerin hat als erfolglose Bewerberin eine unmittelbare Benachteiligung i. S. v. \u00a7 3 Abs. 1 AGG erfahren. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/agg\/__3.html\"><span style=\"color: #487693;\">Art. 3 Abs. 1 AGG<\/span><\/a><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der Umstand, dass ein Mitarbeiter der Zentralen Bewerbungsstelle die Kl\u00e4gerin im Anschluss an das Bewerbungsgespr\u00e4ch auf die Rechtslage nach dem sog. Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz angesprochen und die Kl\u00e4gerin daraufhin erkl\u00e4rt hat, sie werde das Kopftuch auch im Unterricht nicht ablegen, begr\u00fcndet die Vermutung, dass die Kl\u00e4gerin wegen der Religion benachteiligt wurde.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #487693;\">Widerlegbare Vermutung<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Diese Vermutung hat das beklagte Land nicht widerlegt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Benachteiligung der Kl\u00e4gerin ist nicht nach \u00a7 8 Abs. 1 AGG gerechtfertigt. Das beklagte Land kann sich insoweit nicht mit Erfolg auf die in \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz getroffene Regelung berufen, wonach es Lehrkr\u00e4ften u.a. untersagt ist, innerhalb des Dienstes auffallende religi\u00f6s oder weltanschaulich gepr\u00e4gte Kleidungsst\u00fccke und damit auch ein sog. islamisches Kopftuch zu tragen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, an die der Senat nach \u00a7 31 Abs. 1 BVerfGG gebunden ist, f\u00fchrt eine Regelung, die \u2013 wie \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz \u2013 das Tragen eines sog. islamischen Kopftuchs durch eine Lehrkraft im Dienst ohne Weiteres, d.h. schon wegen der blo\u00df abstrakten Eignung zur Begr\u00fcndung einer Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden oder die staatliche Neutralit\u00e4t in einer \u00f6ffentlichen bekenntnisoffenen Gemeinschaftsschule verbietet, zu einem unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Eingriff in die Religionsfreiheit nach Art. 4 GG, sofern das Tragen des Kopftuchs \u2013 wie hier im Fall der Kl\u00e4gerin \u2013 nachvollziehbar auf ein als verpflichtend verstandenes religi\u00f6ses Gebot zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">\u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz ist in diesen F\u00e4llen daher verfassungskonform dahin auszulegen, dass das Verbot des Tragens eines sog. islamischen Kopftuchs nur im Fall einer konkreten Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden oder die staatliche Neutralit\u00e4t gilt. Eine solche konkrete Gefahr f\u00fcr diese Schutzg\u00fcter hat das beklagte Land indes nicht dargetan. Aus den Vorgaben von Art. 4 Abs. 1 der Richtlinie 2000\/78\/EG, die der nationale Gesetzgeber mit \u00a7 8 Abs. 1 AGG in das nationale Recht umgesetzt hat, und aus den in Art. 10 und Art. 24 der Charta der Grundrechte der Europ\u00e4ischen Union getroffenen Regelungen ergibt sich f\u00fcr das vorliegende Verfahren nichts Abweichendes. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #487693;\">Konkrete Gefahr f\u00fcr den Schulfrieden!<\/span><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Den Bestimmungen in \u00a7\u00a7 2 bis 4 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz fehlt es bereits an der unionsrechtlich erforderlichen Koh\u00e4renz. Mit den Ausnahmeregelungen in den \u00a7\u00a7 3 und 4 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz stellt der Berliner Gesetzgeber sein dem \u00a7 2 Berliner Neutralit\u00e4tsgesetz zugrundeliegendes Regelungskonzept selbst in Frage. Die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts \u00fcber die H\u00f6he der der Kl\u00e4gerin zustehenden Entsch\u00e4digung hielt im Ergebnis einer revisionsrechtlichen Kontrolle stand.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"color: #000000;\">Kanzlei\u00a0Swist &#8211; Rechtsanwalt Arbeitsrecht D\u00fcsseldorf<br \/>\nIhr Recht in unseren treuen H\u00e4nden \u00a0<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Quelle zum Fall &#8222;Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch&#8220; ist die Pressemitteilung des Bundesarbeitsgerichts vom 27.08.2020, Az.: 28\/20. Die Entscheidung finden Sie unter dem Link:\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"https:\/\/www.bundesarbeitsgericht.de\/presse\/kopftuchverbot-benachteiligung-wegen-der-religion\/\"><span style=\"color: #1414ff;\"><strong>https:\/\/www.bundesarbeitsgericht.de\/presse\/kopftuchverbot-benachteiligung-wegen-der-religion\/<\/strong><\/span><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"http:\/\/www.johanna-swist.de\/wpjs\/de\/category\/rechtsprechung-zum-arbeitsrecht\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch alignnone wp-image-3081\" title=\"Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch \" src=\"http:\/\/www.johanna-swist.de\/wpjs\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Recht-und-Steuern-300x173.jpg\" alt=\"Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch \" width=\"533\" height=\"307\" srcset=\"http:\/\/www.johanna-swist.de\/wpjs\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Recht-und-Steuern-300x173.jpg 300w, http:\/\/www.johanna-swist.de\/wpjs\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Recht-und-Steuern-768x442.jpg 768w, http:\/\/www.johanna-swist.de\/wpjs\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Recht-und-Steuern-1024x589.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><div class=\"specialtext-content-left effect\"><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Rufen Sie uns an! Tel.: <span style=\"color: #1414ff;\">0211 &#8211; 8759 8067<\/span><\/h3>\n<p><\/div><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Bekenntnis zum Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch \u00a0 &nbsp; Quelle zum Fall &#8222;Kopftuch im Bewerbungsgespr\u00e4ch&#8220; ist die Pressemitteilung des Bundesarbeitsgerichts vom 27.08.2020, Az.: 28\/20. 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